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Jim McEwan: Weltreisender fürs Wasser des Lebens – und Golf immer im Gepäck
Golfreisen

Jim McEwan: Weltreisender fürs Wasser des Lebens – und Golf immer im Gepäck

Foto: Udo Sonntag

Zu Besuch bei dem Mann, den die Whisky-Welt als Botschafter des Uisge Beatha und der Hebrideninsel Islay zur Legende stilisiert hat.


Mit den Begriffen Legende oder Ikone sollte man sparsam umgehen. Schon erstaunlich, wer und was dergestalt stilisiert wird; wenige haben die Erhöhung wirklich verdient. Jim McEwan zum Beispiel. In der Welt der Whiskykenner wird er verehrt, dort ist der Schotte eine Legende, wird gar in einem Atemzug mit Steve Jobs, Paul McCartney und Pelé genannt. McEwan würde ob solcher Vergleich eher lächelnd abwinken.

Größter Brennmeister seiner Generation: Jim McEwan. (Foto: Udo Sonntag)

„Morgens auf dem Schulweg roch ich den süßen Malz“


Dennoch: McEwans Geschichte ist buchfüllend, seine Geschichten sind es sowieso. Allein die Biografie „A Journey Man’s Journey“ hat über 500 Seiten, gespickt mit Anekdoten und verfasst von Udo Sonntag, der als Religionslehrer und Whisky-Experte Spirituelles vermittelt und Spirituosen erklärt. Es geht aber auch mit wenigen Worten. Jim McEwan gilt als größter Brennmeister seiner Generation. Er begann seine unvergleichliche Karriere 1963 als 15-jähriger Fassmacherlehrling in Bowmore, seinem Geburtsort auf der Hebrideninsel Islay: „Auf meinem morgendlichen Schulweg roch ich den süßen Malz und den Torfrauch aus der Destillerie und wusste einfach, dass meine Zukunft beim Whisky liegt.“

Von König Charles III. zum Ritter geschlagen


Mit Fleiß, Talent und Kreativität stieg McEwan zum Master Distiller auf, der Geschmacksnoten und Aromen prägt, reiste als Botschafter der Brennerei um die Welt, lehrte die Wissenschaft vom Whisky, vermittelte Wissen zur Herstellung des Uisge Beatha, gälisch für Wasser des Lebens. Und wurde als eine der ersten Amtshandlungen des englischen Königs Charles III. für seine Verdienste zum Ritter geschlagen. In einer der zahllosen Würdigungen heißt es: „Jim prägte die Welt des Whisky wie kein anderer. Der weltweite Erfolg von Single Malt Whisky ist untrennbar mit ihm verbunden.“


„Vergiss Kokain. Whisky ist das wahre Wundermittel“

Jim McEwan


Islay und die besondere Provenienz des Torfs

Nicht zuletzt brachte er mit seinen Aktivitäten und seinem Einfluss Islay gleichermaßen auf die Landkarte. Das 619 Quadratkilometer große Eiland vor der schottischen Westküste hat zehn Destillerien – Tendenz steigend – und einen eigenen Status innerhalb von Schottlands fünf offiziellen, gesetzlich geschützten Whisky-Regionen. Islays Einzigartigkeit begründet sich durch das reine Quellwasser und die besondere Provenienz des Torfs, mit dessen Rauch die gemälzte Gerste für den Whisky getrocknet und geräuchert wird.

Legende und Ikone in einem: Jim McEwan beim Gespräch mit Golf Post. (Foto: Michael F. Basche)

Einzigartiges Aroma für Peated Single Malt Whiskys


In Tausenden Jahren hat sich unter dem Einfluss des Atlantik eine besondere Form dieses biologischen Brennstoffs entwickelt. Die komprimierten Schichten von Gras, Heide und Moos in den Torfmooren sind angereichert mit Jod, Salz, Seetang und anderen fossilen maritimen Hinterlassenschaften, was den Peated Single Malt Whiskys (Peat, englisch für Torf) von Islay ein einzigartiges, prägnantes Aroma verleiht. Destillerien wie Bowmore, Laphroaig, Ardbeg oder Lagavulin haben es damit zu Weltruf gebracht.


„Jedes Mal, wenn du 15 Zentimeter tief in den Torf stichst, gehst du 1.000 Jahre zurück“

Jim McEwan


Bruichladdich aus dem Dornröschenschlaf geweckt

Im selben Atemzug ist Bruichladdich zu nennen, wo McEwan den letzten Schritt zur Seligsprechung durch die Szene machte, als er die brachliegende Brennerei ab 2001 förmlich aus dem Dornröschenschlaf reanimierte und zu einem Label mit Lifestyle-Charakter entwickelte. Ein Ergebnis von McEwans innovativen Erweckungsmaßnahmen ist die Octomore-Serie, der am stärksten getorfte Whisky der Welt, was über den Phenolgehalt definiert wird. Der liegt üblicherweise bei 25 bis 50 ppm (parts per million), doch der Meister verordnete dem Octomore deutlich dreistellige Werte. Es gab schon Phenolgehalte jenseits der 300er-Marke; die aktuelle Edition 16.3, gereift in Bourbon-, Sauternes- und Sherryfässern, hat 189,5 ppm.

Bruichladdichs Octomore: Der am stärksten getorfte Whisky der Welt. (Foto: Michael F. Basche)

Mit dem Gin The Botanist finanziell flüssig geblieben


Ganz nebenbei begründete McEwan noch The Botanist, einen global geschätzten Gin – um mit dem Unternehmen finanziell flüssig zu bleiben, während das später auf „Flaschen gezogene Sonnenlicht“ (George Bernard Shaw) in den Fässern reift. „Whisky muss halt mindestens drei Jahre gereift sein. Gin braucht bloß drei Minuten“, erklärt McEwan dem Autor beim Plausch im Wohnzimmer und versteckt das Grinsen hinter der Teetasse. Als er 2015 nach 57 Jahren in der Whisky-Branche endgültig in den Ruhestand ging, wurden ihm auf Golfmessen vielstimmige Abschiedsständchen gesungen und virtuell übermittelt.


„Am Ende jedes Regenbogens auf Islay wartet ein Whiskyfass“

Jim McEwan


„Er prägte die Welt des Whisky wie kein anderer“: Jim McEwan. (Foto: Udo Sonntag)

Links Collection verbindet Whisky und Golf


Golf gespielt hat McEwan natürlich ebenfalls, soweit Arbeit und Reisen – und die Hüften – es zuließen. Um Whisky und Golf zu verbinden und seine Globetrotterei zu verewigen, hat er in Bruichladdich die sogenannte Links Collection herausgegeben: „Ich wollte damit die Menschen und Orte würdigen, wo ich besonders gut behandelt worden bin.“ So entstand eine Sammlung unterschiedlicher Destillate, deren Etiketten der Golfkünstler Graeme Baxter mit Motiven der betreffenden Golfplätze gestaltet hat – die Swilcan Bridge auf dem Old Course, Augusta National, der K Club in Irland, Torrey Pines in Kalifornien, der Vancouver Golf Club in Kanada, um nur einige zu nennen.


„Wenn dir das Wetter nicht gefällt, trink einen Wee Dram Whisky und warte fünf Minuten.“

Schottisches Sprichwort


Hinreißender Bildband über die Insel seines Herzens

Mittlerweile freilich hat McEwan zwei künstliche Hüftgelenke, die Schläger an den Nagel gehängt und das Reisen aufgegeben. Stattdessen wandert der Endsiebziger über die Insel seines Herzens, der er einen hinreißenden Bildband gewidmet hat: „Ich meditiere beim Gehen, denke nicht voraus, sondern erinnere mich an Menschen, an Momente, an all die guten Zeiten – und bin dankbar.“ Oder er zeigt seinen Enkeln die Schönheit von Islay.

„Königin der Hebriden“ ist die Welt vor der Haustür

Auf der „Königin der Hebriden“ hat McEwan die Welt vor der Haustür. Im Süden wiegen sich Palmen im Wind, im Norden donnert das Meer an schroffe Klippen, es gibt kilometerlange Sandstrände und Hügel, die hoch genug sind, dass im Winter Schnee darauf liegt. Und: „Wenn du so nah am Atlantik lebst, ändert sich das Bild jeden Tag.“


„Viele tausend Meilen sind die Wellen über den Atlantik gekommen, um an den Ufern von Islay zu sterben“

Jim McEwan


Ehefrau Barbara unterbricht die Schwärmerei dieser besonderen Teestunde und erkundigt sich besorgt, ob ihr Mann mit all den Dönekens niemand langweilt. „Legend?“, fragt sie mit liebevollem Lächeln. „You’re leg end.“ Frei übersetzt: Du bist das Allerletzte. So schließt sich der Kreis: Selbst für lebende Legenden gibt es Grenzen.

„Wenn du so nah am Atlantik lebst, ändert sich das Bild jeden Tag“: Jim McEwan auf Islay, der Insel seines Herzens. (Foto: Udo Sonntag)

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