Royal and Ancient Club of St. Andrews
Der klotzige graue Steinbau am Rand der ehrwürdigen Universitätsstadt St. Andrews gilt als Nabel der Golfwelt und mit dem ikonischen Old Course als „Home of Golf“. Dabei konnte sich der frühe und damals chronische klamme R&A-Club trotz des royalen Prädikats gar kein Vereinsheim leisten, obwohl ihm das Grundstück nahe der Nordseeküste bereits seit 1820 zur Verfügung gestellt war. Das erste Clubhaus an dieser Stelle errichtete George Rae 1853/1854 für den Union Club, eine soziale Vereinigung; die Golfer waren quasi allenfalls Untermieter. 1877 fusionierten die beiden Clubs unter dem Titel des „Royal and Ancient“.
(Text: Michael F. Basche / Foto: Getty)
Im Lauf der Jahrzehnte erfuhr das ursprünglich in H-Form anlegte neoklassizistische Bauwerk durch Erweiterungen und Anbauten sechs signifikante Veränderungen seiner äußeren Form. Der heute so dominante Vorbau mit den „Bay Windows“ und dem Blick auf den ersten Abschlag, das 18. Grün und den gesamten Old Course kam beispielsweise 1866 hinzu, der Balkon darüber erst deutlich später.
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Augusta National Golf Club
Als Südstaaten-Farmhaus stand der zweigeschossige Bau mit dem Krähennest als Dachspitze bereits ein Dreivierteljahrhundert am Ende der Magnolia Lane, bevor Bobby Jones und Alister MacKenzie 1931 erstmals das Gelände der ehemaligen Fruchtplantage und Baumschule der Barone Berckmans betraten, die später zum Augusta National Golf Club werden sollte. 1854 von Vorvorbesitzer Dennis Redmond als erstes Beton-Bauwerk in den amerikanischen Südstaaten errichtet, sollte das Haus eigentlich abgerissen werden, zumal es nach einem Erdbeben 1886 starke Risse bekommen hatte.
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Der lokale Architekt Willis Irvine war bereits mit einer neuen Konstruktion beauftragt. Doch wegen des chronischen Geldmangels in den Anfangsjahren des Masters-Clubs wurden die Pläne aufgegeben und das Haus 1938 für 50.000 Dollar umfassend saniert. Trotz umfangreicher Veränderungen im Inneren und etlicher Anbauten ist das Clubhaus von Augusta National in seinem Wesen erhalten geblieben und eine der großen Landmarken des Golfsports.
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Muirfield
1891 zog die Honourable Company of Edinburgh Golfers (HCoEG), ältester nachweisbarer Golfklub der Welt, von Musselburgh nach Muirfield, wo ihnen Old Tom Morris eine wahre Linksgolf-Preziose an die schottische Nordseeküste bei Gullane gelegt hatte. Das von Hall Blyth im gleichen Jahr im Elisabethanischen Stil erbaute Klubhaus ist so ikonisch wie der Platz. Die Raucher-Lounge beispielsweise ermöglicht einen 270-Grad-Panorama-Blick auf die Links. Der HCoEG gebührt das Verdienst, alle Erweiterungen ihres Sportlerheims behutsam und in Anlehnung an den originären Stil durchgeführt zu haben.
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Das gilt übrigens auch für die Damen-Umkleidebereiche, die es längst gab, bevor sich Muirfield per Mitgliedervotum auch für weibliche Clubangehörige öffnete – womit an dieser Stelle mal ein Missverständnis angesprochen ist, das gern benutzt wurde, um mit der Keule auf die Tradition der britischen Herren-Clubs einzuschlagen. Golfspielen durften die Damen auf den Links von Muirfield seit jeher, als Angehörige männlicher Mitglieder sogar lediglich gegen einen Obolus! Jetzt müssen sie Jahresgebühr berappen…
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Shinnecock Hills Golf Club
Die jüngste US Open auf den Shinnecock Hills mit all dem Rummel um Tiger Woods und USGA sowie dem souveränen Sieg von Brooks Koepka ist noch in guter Erinnerung. Das langgestreckte Gebäude auf dem höchsten Punkt des ikonischen Ensembles an der Ostküste wurde 1892 eröffnet und gilt als erstes reines Golfklubhaus in den USA. 6.500 Dollar Honorar bekam Stanford White für die Konzeption des Gebäudes, aber das Projekt eröffnete ihm den Zugang zur begüterten Klientel auf Long Island Establishment; der New Yorker avancierte mit seinen Partner McKim und Mead zu Amerikas angesagtestem Architekturbüro.
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Whites Werk mit den Schindeln auf dem Dach und an der Fassade sowie den großen Fensterfronten zum Platz ist bis heute nahezu unverändert geblieben. Nach wie vor gibt es sehr klassische Umkleiden – für die Damen übrigens mit charmanter Blümchentapete – und keinen Schnickschnack wie einen pompösen Speisesaal oder Herren-Zimmer, lediglich der Pro-Shop und das separate Gebäude für Bags und Trolleys sind modernen Bedürfnissen geschuldet.
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Royal Birkdale Golf Club
Royal Birkdale brauchte gut 40 Jahre bis zu seinem so auffällig anderen Klubhaus im Art-Deco-Stil, damals einzigartig in England. Nach der Klubgründung 1889 mussten die Mitglieder mit und in einem Gebäude-Sammelsurium von Gebäuden leben, bis im Rahmen einer Platzrenovierung auf Championship-Niveau auch das Klubhaus neu errichtet wurde. Inspirieren ließ sich Architekt George Touge bei einem Ausflug auf die Links vom Blick auf die Küstenlandschaft nördlich von Liverpool und auf die Irische See: „Da erschien mir vor meinem inneren Auge das Bild des passenden Gebäudes für diesen wundervollen Kurs: Ich stellte mir die Konturen eines Kreuzfahrtschiffs auf hoher See vor, mit perfekt fließenden Linien aus jedem Blickwinkel.“
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Nach der Aufnahme in die Open-Rota 1954 wurden Platz und Clubhaus 1962 und 1997 umfassend überarbeitet, und das Klubhaus mit seinen zahlreichen Anbauten wirkt mittlerweile sehr verschachtelt – Touges eleganter Hochsee-Clipper hat etwas Schlagseite –, aber es bleibt unverwechselbar.
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East Lake Golf Club
Die Anlage in Atlanta, auf der die PGA Tour seit 2005 ihr Saisonfinale inszeniert, ist ebenso untrennbar mit dem Namen Bobby Jones verbunden wie Augusta National. Jones war East-Lake-Mitglied, als er 1930 den Grand Slam gewann; der 1907 gegründete Klub galt Anfang des 20. Jahrhunderts als Schmiede von Majorsiegern. Das heutige Klubhaus ist bereits das dritte, nachdem die Vorgänger 1914 und 1925 durch Feuer zerstört worden waren. Sein Design im Tudor-Stil stammt aus der Feder von Philip Schutze, Atlantas damals führendem Architekten; Eröffnung war 1926.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg freilich fiel East Lake in den Dornröschenschlaf, das gesamte Stadtviertel wurde zum sozialen Brennpunkt, bis 1995 der Projektentwickler Tom Cousins auf den Plan trat und die Anlage „wach küsste“. Er wollte East Lake und Golf als Rahmen für geschäftliche Kontakte nutzen und damit auch den Stadtteil aus dem Niedergang führen. 2010 wurde das Klubhaus nach Originalpläne von Shutze umfassend saniert und erweitert.
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Stoke Park
Golf und Hollywood – das war schon oft eine gute Kombination, seit die Bilder laufen lernten. Doch wohl kein Szenario ist so bekannt wie das Matchplay zwischen James Bond aka Sean Connery und Gert Fröbe alias „Goldfinger“ im gleichnamigen 007-Thriller. Der Schauplatz des berühmten Duells war das englische Stoke Park, wo – als einzige Ausnahme in dieser Liste vielleicht – das Klubhaus bekannter ist als der Golfplatz. Stoke Park gehört zu den imposantesten Georgianischen Herrenhäusern in der Grafschaft Buckinghamshire und war jahrhundertelang Stammsitz der Familie Penn, den Begründern des US-Bundesstaats Pennsylvania.
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James Wyatt, der Hofarchitekt von König Georg III., baute von 1790 bis 1813 palastartig zu Ende, was Robert Naismith als ursprüngliches „Mansion“ begonnen hatte. Das Anwesen wurde bis 1908 privat genutzt und dann von einem gewissen Nick Lane Jackson gekauft, der es zum Country Club mit allem zeitgenössischen Zubehör umwandelte und den berühmten Designer Harry S. Colt für die Entwicklung des Golfplatzes engagierte.
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Winged Foot Golf Club
Im US-Bundesstaat New York sind die Böden oft sehr steinig, Golfbahnen sind da schwierig zu „pflanzen“. Es sei denn, man macht aus der Not eine Tugend, klaubt die Steine und Felsbrocken aus der Erde und baut daraus ein Klubhaus. So geschehen im Winged Foot Golf Club, einer aus dem ganz alten amerikanischen Platzadel, gegründet 1924, als das US-Golfplatzdesign sein „goldenes Zeitalter“ erlebte und billige Arbeitskräfte in Hülle und Fülle verfügbar waren.
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Winged Foots Heimstatt, konzipiert nach englischer Schule von Clifford C. Wendehack, erscheint denn auch als wahrer Trutzbau am Ende einer Allee aus Silber-Ahorn, der damals manchen Titel von Architektur-Fachblättern zierte und sich auch durch den späteren Anbau eines Speisesaals und einer Lounge nicht veränderte. Mit seinem Baumaterial ist das Clubhaus bis heute in den USA ohnegleichen und zählt wie St. Andrews oder Augusta zu den herausragenden Landmarken im Golf. 2020 rückt Winged Foot wieder ins Licht der breiten Öffentlichkeit, wenn der Club die sechste US Open seiner Geschichte ausrichtet.
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Wentworth Club
Beinahe wäre das so ungemein markante Clubhaus von Wentworth in den 1980er Jahren abgerissen worden, es war architektonisch als nicht besonders wertvoll eingestuft worden. Das verwundert angesichts der neugotischen Gestalt mit den Zinnen als Abschluss der blütenreinen sandfarben-grauen Fassaden. Die Mitglieder indes wehrten sich gegen eine Zerstörung dessen, was Walter George Tarrant Anfang des 20. Jahrhunderts im Londoner Speckgürtel von Virginia Water/Grafschaft Surrey und kaum ein paar Drive-Längen von Schloss Windsor entfernt aus dem einstigen Herrenhaus „Wentworth“ von 1780 gemacht hatte.
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Der Initiator ließ von Harry S. Colt die beiden Golfplätze bauen und entwickelte die Wentworth Estates zu einem exquisiten, aber dennoch nicht überkandidelten Country Club. Heute ist die Anlage, auf der die in unmittelbarer Nachbarschaft beheimatete European Tour ihr Flaggschiff-Turnier BWM PGA Championship veranstaltet, übrigens in chinesischem Besitz.
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